Janosch Daul: Puzzle-Teil Elterncoaching

Als sportpsychologischer Coach gehört es auch zu meinen Aufgaben, mit dem Umfeld meiner Sportler zu arbeiten. Die Eltern spielen für viele Nachwuchssportler eine herausragende Rolle, dies gilt auch für die U16-Spieler des Halleschen FC, die ich in dieser Saison sehr umfangreich betreue. Über diese Zusammenarbeit berichte ich in einer Artikelserie, in der ich mich bislang mit der Saisonvorbereitung, der Teamentwicklung und den Coaching-Schwerpunkten Spieler, Trainer und Team beschäftigt habe. 

Puzzle-Teil Elterncoaching

Für denjenigen Trainer, der modern und systemisch stimmig führen möchte, gilt es, ein möglichst funktionierendes Unterstützungssystem für jeden einzelnen Spieler mitzuentwickeln. Das System besteht aus dem Spieler selbst, der im Mittelpunkt steht, seinen Trainern, seiner Familie, seinem Freundeskreis und weiteren für ihn relevanten Personen. Doch es braucht Arbeit, damit es sich wirklich zu einem Unterstützungssystem entwickelt. Dies ist dann der Fall, wenn alle Systembeteiligten in einem Boot sitzen, in eine Richtung rudern und der Spieler dabei maßgeblich Selbstverantwortung für seine Weiterentwicklung übernimmt. 

Besonders wichtige Helfer für die Spieler sind zweifelsfrei ihre Eltern, denn sie sind es, zu denen die Spieler oftmals die größte emotionale Bindung besitzen und einen enormen Einfluss ausüben. Zugleich sind sie für ein Trainerteam der wichtigste Partner für die ganzheitliche Entwicklung der Spieler. Es ist von zentraler Bedeutung, sie von der eigenen Arbeit zu überzeugen, sie auf dem gemeinsamen Weg mitzunehmen und mit einzubinden, aber auch stimmige Grenzen zu setzen, gemeinsam in Austausch darüber zu treten, welches Elternverhalten für die Entwicklung des jeweiligen Spielers funktional ist und wie die Kooperation zwischen Trainern und Eltern aussehen sollte, um dem Spieler zu dienen. Trainer sollten darauf hinarbeiten, dass sich die Eltern gebraucht und wertgeschätzt sowie als Teil des Ganzen fühlen. Gelingt es einem Trainer, diese Aspekte umzusetzen, so stellt – dann in hohem Maße funktionales – Elternverhalten eine enorme (und noch vielerorts enorm unterschätzte und stiefmütterlich behandelte) Leistungsressource dar, die wir ausschöpfen wollen. 

Kommunikation

Als Trainerteam luden wir die Eltern daher zu Saisonbeginn zu einem „Come Together“, das unter dem Motto „Der beste Unterstützer des Spielers sein“ stand, ein. Bevor wir zu dem geselligen Teil, dem Grillen, übergingen, legten wir zunächst die Grundlagen für eine stimmige Zusammenarbeit, indem wir u.a. unser Ausbildungskonzept vorstellten, Verhaltensrichtlinien definierten, die Eltern Wünsche an uns formulieren ließen, spezifische Elternrollen vergaben und damit verbundene Aufgabenstellungen kommunizierten. Im Alltag umfasst Elternabend Folgendes: Mit regelmäßigen Mails halten wir sie auf dem Laufenden, gestalten punktuell Events zusammen, wie einen Bowlingabend, an dem die Eltern die Möglichkeit erhalten, uns als Trainerteam Feedback zu geben. Direkt  kommuniziert wird unsererseits mit den Eltern, wenn Verstöße gegen die festgelegten Verhaltensrichtlinien auftreten.  

Ein Teil meines Aufgabenprofils besteht auch im Unterstützen der Eltern in ihrer Rolle. Daher lud ich die Eltern zu einem sportpsychologischen Einstiegsworkshop ein. Dabei stellte ich mein sportpsychologisches Wirken vor und schuf Angebote für eine Zusammenarbeit zwischen ihnen und mir. Seitdem melden sich immer wieder Eltern mit spezifischen Fragestellungen. Durch entsprechende Coachings und Beratungen stütze ich gezielt das Unterstützungssystem des Spielers, das wiederum ein unverzichtbares Puzzleteil auf dem persönlichen Weg darstellt.

Puzzleteil für Puzzleteil

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass wir als Trainerteam – auch durch die zielgerichtete Förderung mentaler und sozialer Aspekte, täglich, – Rahmenbedingungen so setzen, dass unsere Spieler durch das Ausschöpfen von Entwicklungspotenzialen ihr persönliches Puzzle Teil für Teil vervollständigen können. Und vielleicht schafft es ja tatsächlich der ein oder andere 2028 im Leuna-Chemie-Stadion auf dem Rasen zu stehen. Ich werde, zusammen mit meinen Trainerteamkollegen auf der Tribüne sitzend, der stolzeste Zuschauer sein. Bis dahin werden wir gemeinsam weiter fleißig puzzeln. Versprochen. 

Artikelserie Puzzle-Teil Sportpsychologie

Janosch Daul (zur Profilseite)

In dieser, hiermit nun abgeschlossenen, Artikelserie wollte ich dir, lieber Leser, Einblicke in unsere Philosophie geben und den Übertrag in die Alltagspraxis darstellen. Alles aus meiner Perspektive, der eines sportpsychologischen Coaches. Dabei ging es mir darum, durch das Aufzeigen meiner Wirkungsbereiche und die Verknüpfung dieser mit unserer Trainingspraxis, die systematische Integration der Sportpsychologie als unverzichtbaren Ausbildungsbestandteil und Leistungsressource hervorzuheben. Alle Teile der Serie gibt es hier, Puzzleteil für Puzzleteil:

Puzzle-Teil Saisonvorbereitung erscheint am: Do., 9. Januar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Teamentwicklung erscheint am: Do., 23. Januar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Spielercoaching erscheint am: Do., 6. Februar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Trainercoaching erscheint am: Do., 20. Februar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Teamcoaching erscheint am: Do., 6. März 2025 (Link)
Puzzle-Teil Elterncoaching erscheint am: Do., 20. März 2025 (Link)

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de