Janosch Daul: Puzzle-Teil Spielercoaching

Als sportpsychologischer Coach im Nachwuchsbereich des Halleschen FC habe ich mittlerweile einiges an Erfahrungen sammeln dürfen. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist meine Arbeit für mich ein Privileg. Nicht zuletzt die direkte Zusammenarbeit mit den Spielern, auf die ich in diesem Beitrag den Fokus lege. In den vorangegangenen Texten ging es um die Saisonvorbereitung und die Teamentwicklung.

Artikelserie Puzzle-Teil Sportpsychologie

Janosch Daul (zur Profilseite)

In dieser Artikelserie möchte ich dir, lieber Leser, Einblicke in unsere Philosophie geben und den Übertrag in die Alltagspraxis darstellen. Alles aus meiner Perspektive, der eines sportpsychologischen Coaches. Dabei möchte ich, durch das Aufzeigen meiner Wirkungsbereiche und die Verknüpfung dieser mit unserer Trainingspraxis, die systematische Integration der Sportpsychologie als unverzichtbaren Ausbildungsbestandteil und Leistungsressource hervorheben. Meine eigene Perspektive ergänze ich durch die Ansichten unserer Spieler und die der beiden Trainer. Und wenn du fleißig weiterliest, erfährst du auch, wie das Ganze mit „TEAM 2028“ und „puzzeln“ zusammenhängt. Puzzleteil für Puzzleteil.

Puzzle-Teil Saisonvorbereitung erscheint am: Do., 9. Januar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Teamentwicklung erscheint am: Do., 23. Januar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Spielercoaching erscheint am: Do., 6. Februar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Trainercoaching erscheint am: Do., 20. Februar 2025 (Link)
Puzzle-Teil Teamcoaching erscheint am: Do., 6. März 2025 (Link)
Puzzle-Teil Elterncoaching erscheint am: Do., 20. März 2025 (Link)

Puzzle-Teil Spielercoaching

Die zwischenmenschliche Grundlage, um unseren Spielern ein effektiver Unterstützer sein zu können, legte ich ab dem ersten Tag der Zusammenarbeit – durch ein möglichst permanentes Leben von Werten, die ich als – für meine Beziehung zu den Jungs – besonders bedeutsam erachte: Nahbarkeit, Kontaktfreudigkeit, Vertrautheit, Zuverlässigkeit, Fleiß, Ehrlichkeit, Unvoreingenommenheit, Empathie und Integrität. Besonders achte ich darauf, durch mein Verhalten in Form von Tat und durch meine Kommunikation auszustrahlen: „Ich habe Bock darauf, mit dir zusammenzuarbeiten und dich voranzubringen!“ sowie „Ich nehme dich als Mensch genau so an, wie du bist – mit deinen Stärken und Schwächen. Bei mir darfst du genau so sein, wie du bist – mit allem, was du gerade bist!“

Die inhaltliche Grundlage für ein effektives Unterstützen unserer Spieler legte ich einerseits durch einen Einführungsworkshop, in dem ich den Jungs die Sportpsychologie, meine Arbeitsweise und konkrete Möglichkeiten einer Zusammenarbeit aufzeigte. Andererseits aus individuellen Gesprächen mit den Spielern, bestehend aus zwei Teilen. Nach einem Kennenlernen, in dem ich dem jeweiligen Spieler Raum gab, mir viel über sich und seinen Werdegang zu erzählen, entwickelten wir einen ersten individuellen Rahmen für Zusammenarbeit, indem wir u.a. auf folgende Fragen eingingen: Was wünscht sich der Spieler von mir? In welcher Situation wünscht sich der Spieler mich in welcher Rolle? Wie möchte der Spieler von mir gespiegelt werden?

Individuelle Zusammenarbeit

Auf dieser Grundlage begleite ich jeden Spieler individuell, in Coaching-, Beratungs- und Reflexionsprozessen, aber auch auf dem Feld. Manche Coaching- und Beratungsprozesse umfassen eine einzelne Einheit, andere hingegen strecken sich über Wochen. Meistens kommen die Spieler proaktiv von sich aus auf mich zu, teilweise ermutigen aber auch die beiden Coaches die Spieler, bewusst mit mir auf ein Thema zu schauen. Themen, an denen ich bislang mit Spielern gearbeitet habe, sind teilweise psychosozialer Natur und teilweise auf Leistungsfaktoren auf dem Feld bezogen:

  • Umgang mit Heimweh 
  • Umgang mit einer herausfordernden Lehrerin 
  • Umgang mit Problemen in der Beziehung zur Freundin 
  • Umgang mit Problemen in der Beziehung zu den Eltern 
  • Umgang mit dem kritischen Feedback von Mitmenschen 
  • Umgang mit dem Trainer 
  • Umgang mit persönlichen Unsicherheiten 
  • Entscheidungsprozesse
  • Gestaltung von Ansprachen 
  • Körpersprache und Umgang mit Emotionen auf dem Feld
  • Zielsetzung 
  • Mentale Wettkampfvorbereitung 

Gemeinsam erarbeiten wir uns Lösungsansätze und Handwerkszeug, das dem Spieler hilft, als Mensch und/oder Fußballer zu wachsen und das persönliche Puzzle weiter zu vervollständigen. Außenverteidiger Dave Künne beschreibt seine Sicht der Dinge auf unseren Coachingprozess:

Feedback

So regelmäßig wie möglich zeige ich zusätzlich in den Einheiten und Spielen unserer U16 Präsenz. Auf Grundlage der individuellen Rahmen zwischen den Spielern und mir erhalten sie nach den Trainings und Partien ein WhatsApp-Feedback von mir. Ich gehe dabei in der Rolle des Spiegels ausschließlich auf mentale und soziale Leistungsfaktoren wie z.B. Körpersprache, Kommunikation, Einsatzbereitschaft und Emotionskontrolle ein, indem ich meine Wahrnehmungen mit dem jeweiligen Spieler teile – und auf dieser Basis Ratschläge ausspreche und/oder anregende Reflexionsfragen zur tiefergehenden Beschäftigung mit aufgetretenen Situationen und Verhaltensmustern stelle. Die Aufgabe der Spieler besteht dann darin, mir innerhalb von 48 Stunden ein kurzes Rückfeedback per WhatsApp zu geben, indem sie sich damit auseinandersetzen, was sie aus meiner Sprachnachricht mitgenommen haben und worauf sie in der Folge konkret achten wollen, um sich weiterzuentwickeln.

Vor Spielen unterstütze ich einige Spieler – entsprechend des individuellen Rahmens – in ihrer unmittelbaren Wettkampfvorbereitung, indem wir z.B., integriert in die individuelle und mannschaftliche Vor-Wettkampf-Routine, für das Spiel zu berücksichtigende mentale Aspekte durchgehen oder sich der Spieler entsprechende Ziele fürs Spiel setzt. Flügelflitzer und „HFC-Radio“ Fynn Pietrzyk ist einer dieser Spieler:

Life Kinetik

Da der moderne Fußball mehr denn je hohe kognitive Anforderungen an die Spieler stellt, macht es Sinn, kognitive Funktionen gezielt, in Ergänzung zum Mannschaftstraining, zu trainieren. Dabei wende ich Life Kinetik an – ein Bewegungsprogramm, das Bewegungsaufgaben mit kognitiven Herausforderungen und Wahrnehmungsaufgaben verbindet. In Kleingruppen arbeiten wir mithilfe dieses Bewegungsprogramms an kognitiven Funktionen wie z.B. dem Arbeitsgedächtnis, der Inhibitionsfähigkeit und kognitiven Flexibilität oder dem peripheren Sehen. Mittelfeld-Ass Ali Anik beschreibt, inwiefern Life Kinetik ihn in seiner Weiterentwicklung voranbringt: 

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Mathias Liebing
Mathias Liebinghttps://www.torial.com/mathias.liebing
Redaktionsleiter bei Die Sportpsychologen und freier Journalist Leipzig Deutschland +49 (0)170 9615287 E-Mail-Anfrage an m.liebing@die-sportpsychologen.de